Schläge auf einen Gegner der am Boden liegt - wer ist hier nicht der Meinung, dass dies ein gesellschaftlicher Tabubruch ist? Doch aus sportlicher Sicht ist dieses Thema stark umstritten.
(K)eine Entscheidung führte dazu, dass der Boxer Shannon Briggs nach 12 Runden auf der Intensivstation behandelt werden musste. Fachleute der Boxszene waren sich uneinig. Hätte der Ringrichter den Kampf durch technisches KO hätte abbrechen müssen? Klar ist: dieser Entschluss war keine gute Werbung für den Boxsport. Dennoch entfachte dies keinerlei Diskussionen, ganz im Gegenteil dazu die Kämpfe des Ultimate Fighting Championships.
Im Boxsport gibt es genau wie im UFC genaue Vorschriften, nach denen der Referee zu entscheiden hat. Zwar sind beim UFC auch Schläge auf eine sich am Boden befindliche Person erlaubt, doch hier gibt es im Regelbuch sehr strikte Einschränkungen.
Klaus Schlie, Innenminister Schleswig-Holsteins und Vorsitzender der Sportministerkonferenz, ist überzeugt, dass Käfigkämpfe in Deutschland gesellschaftlich zu ächten wären. "Bei Ultimate Fighting wird eine Grenze überschritten, die immer ein Tabu war: Auch auf den, der am Boden liegt, wird noch eingeprügelt - und zwar vor einer johlenden Masse. So etwas gehört nicht in eine humanistische Gesellschaft."
Oliver Copp, Chefredakteur des Magazins „Fighters Only“ und praktizierender Ultimate Fighter sieht dies anders. "Das ist ein Sport, wie jeder andere auch. Mit Regeln und mit Sportlern, die Vorbilder sind. Aber auch mit Verletzungen, genau wie beim Fußball oder Tennis."
Die KJM bezieht bei diesem Konflikt eine eindeutige Haltung. Der Vorsitzende Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring stellt in seinem Impulsreferat in München klar: "Es ist durchaus zu befürchten, dass entsprechende mediale Angebote bei einer bestimmten Zielgruppe eine verrohende Wirkung haben."
Für das Podiumsgespräch der KJM wurde die fehlende Kooperationsbereitschaft des UFCs angeprangert. Der Verband hat kein Videomaterial zur Veranschaulichung zugelassen. Dagegen beklagte der UFC, dass die Kommission nicht offen legen wollte, welche Videoszenen der Kämpfe in welchem Zusammenhang gezeigt werden sollten. Vertreter des UFC sowie Zuschauerfragen waren unerwünscht. Es bestand von Seiten des KJMs kein Interesse, dieses Thema bei einem offenen Gespräch zu diskutieren.
Marshall Zelaznik, Präsident des UFC Großbritannien, nahm dies mit folgendem Kommentar zur Kenntnis: "Es ist nicht fair, dass die KJM nur über uns, aber nicht mit uns spricht. Offenbar liegt es nicht im Interesse der KJM, sich mit den Fakten zum UFC auseinanderzusetzen."
Aktuell ist die Ausstrahlung der UFC im deutschen Fernsehen nicht erlaubt. Doch verhindert dies wohl nicht, dass Fans sich über Livestreams und Internetvideos diese Kämpfe ansehen. Ob dieses Verbot aufrecht erhalten bleibt, wird sich in naher Zukunft zeigen.
Verweise: Anderson Silva, Brock Lesnar, Frankie Edgar, Georges St-Pierre, Kampfsport, KJM, Mauricio Rua, UFC, Ultimate Fighting Championship








1.MMA wird in der Diskussion in Deutschland stets in die Ecke der Hirnlosig- und Stumpfsinnigkeit gestellt. Das ist weder mit dem Anspruch der Kampfkust noch mit ihren Akteuren belegbar. Die Fakten sind folgende:
a) durch seine Multidimensionalität (Vereinigung aller existierenden waffenlosen Kampfkünste: Stand-, Boden-, Kick-, Schlag-, Ringer- und Aufgabetechniken) ist MMA die mit weitem Abstand anspruchsvollste alle Kampfsportarten.
b) Je komplexer die Kampfsportart, desto höher ist das Bildungsniveau der Sportler. Jiu Jitsu (was dem MMA doch sehr nahe ist) weist bspw. in DE den höchsten Akademikeranteil aller Kampfsportarten aus (Zahlen von Anfang 2000)
2. Dass die Box-Verbände, die nach den internationalen Fußballverbänden und den OKs wohl die Mafia-ähnlichsten Strukturen aller Sportarten aufweisen, die öffentliche Diskussion in DE steuert, ist mehr als offensichtlich. Sowohl der Boulevard wie auch seriöse Medien berichten geradezu lüstern von blutigsten Boxkämpfen (Abraham, Sturm, Klitschko) und über ihre „knallharten Krieger“. Wenn man sich dagegen die Berichterstattung zum MMA ansieht, kann diese sture Einseitigkeit nur gesteuert sein (oder in DE ist der letzte akzeptable Journalist gestorben)
3. Die völlige Unwissenheit der meisten Diskutanten (Journalisten, Sportfunktionäre, Rundfunkbeamte) ist einer der Punkte die am meisten weh tut und von wirklich mangelhaften Fähigkeiten zeugt. Allein die UFC oder „Ultimate Fighting“ immer wieder als Sportart zu bezeichnen macht die Substanzlosigkeit der Diskussion deutlich.
Für alle Nicht-Kenner und Interessierten: UFC = Promotion-Firma/Kampsport-Organisation/Verband/Liga; Ultimate Fighting = ein Werbe-Name aus den 90ern; der Sport über den wir hier reden ist Mixed Martial Arts, DE: gemischte Kampfkünste
ich sitze grade an meiner diplomarbeit zu diesem thema und hoffe ihr könnt mir vllt mit deutschen ansprechpartnern bestmöglichst von der ufc weiterhelfen.
Aber unser Sport gilt als brutal und barbarisch: "Oh nein, der hat eine Platzwunde und blutet den anderen voll". Oh nein, die beiden kämpfen in einem KÄFIG. (Der allein der Sicherheit dient). "Das sieht ja aus wie Tiere, die eingesperrt sind".
Fakt ist aber, dass wir mehr Regeln haben, als im Boxen.
Fakt ist auch, dass es bei uns zu weniger Kopftreffern kommt, da wir einfach mehrere Möglichkeiten haben (zu viele Kopftreffer können auf Dauer nicht gut für den Kopf sein).
Fakt ist auch, dass in jedem Volkshochschulselbstverteidigungskurs gelehrt wird, dass man sich auch verteidigen muss, wenn man auf dem Rücken liegt.
Die ALTE Schulhofregel, nicht weiter auf den am Boden liegenden einzuschlagen gilt leider schon lange nicht mehr, wie man in der Presse lesen konnte und die Übergriffe auf unschuldige Bürger leider gezeigt haben.
Fakt ist auch, dass ich lieber in einem Käfig kämpfe als in einem Ring. Ich möchte nicht derjenige sein, der nach einem Wurf aus dem Ring fällt und aus mindestens 1,20 mtr. Höhe auf den Hallenboden oder Betonboden fällt. Nochmals, der Käfig dient allein der SICHERHEIT und der GESUNDHEIT der SPORTLER.
Dem Otto-Normal Bürger wird ein Bild von unserem Sport gezeigt, weil man eine Meinung schaffen will. Häufig werden im Zusammenhang mit Käfigkämpfe blutüberströmte Männer gezeigt. Man könnte genauso gut die schlimmsten Unfälle in der Formel 1 zeigen, die blutigsten Fouls beim Fußball oder die gefährlichsten Unfälle beim Angeln. Nichts anderes ist es auch, ein Zusammenschnitt aus zig tausenden Kämpfen.
Ja, Platzwunden kommen vor, blutige Nasen kommen vor. Aber in der Regel sind es hochinteressante, technisch anspruchsvolle Kämpfe, von austrainierten, erfahrenen Sportlern.
Ich würde mir wünschen, dass Redakteure mal besser recherchieren würden, dass Politker sich mal ein neutrales Bild verschaffen würden (und nicht Best-of-KO DVD schauen) und das die KJM das Gespräch mit den UFC-Verantwortlichen sucht, um mal ein OBJEKTIVES Bild zu schaffen.
Wir akzeptieren und respektieren doch auch andere Sportarten.
Wie mein Vorredner/schreiber schon erläutert hat, der Sport wird seinen Weg machen, auch nach Deutschland.
Ich denke es ist noch eine lange entwicklung bis MMA auch in Europa so zum Breitensport wird wie in den USA aber es eine Entwicklung die bereits Begonnen hat oder sicherlich nicht mehr aufzuhalten ist. Bis dahin kann ich den Kritikern nur raten mal zur nächsten Kampfkunstschule mit MMA-Kurs zu fahren und sich davon zu Überzeugen was für hirnlose Schläger sich dort barbarisch Techniken aneignen um sich gegenseitige zu Brei zu dreschen. Aber seien drauf gefasst eventuell ihren Nachbarn, den Studienfreund ihres Sohnes oder den Nachhilfelehrer ihr Tochter zu treffen wie er in einer freundlich und respektvollen Atmosphäre etwas tut womit sie nie gerechnet hätten: Sport betreiben.
Ein anderer Kritkpunkt, der Käfig, hat ganz praktische Gründe: Würde man einen Ring benutzen (so wie in Japan zB. üblich), besteht die Gefahr das die Kämpfer zwischen den Seilen durchrutschen und auf den Boden fallen. Das kann zu schweren Verletzungen führen. Deshalb hat man sich in der UFC dazu entschieden die Kämpfe im Käfig durchzuführen.