UFC – Extremsport oder Tabubruch?

UFC – Extremsport oder Tabubruch

Von  | 27. Oktober 2010 | Kategorie: Sachsen-Anhalt

Randy Couture (links) besiegt Mark Coleman (Foto: ZumaPress)

München. Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat die Aufgabe, Jugendliche vor unpassenden Einflüssen der Erwachsenenwelt in den Medien zu schützen. Die KJM tagte im Rahmen der Medientage in München und diskutierte unter anderem über den Kampfsport Ultimate Fighting Championship (UFC), auch im Bezug auf den Medieneinfluss für Kinder und Jugendliche.


Schläge auf einen Gegner der am Boden liegt - wer ist hier nicht der Meinung, dass dies ein gesellschaftlicher Tabubruch ist? Doch aus sportlicher Sicht ist dieses Thema stark umstritten.

(K)eine Entscheidung führte dazu, dass der Boxer Shannon Briggs nach 12 Runden auf der Intensivstation behandelt werden musste. Fachleute der Boxszene waren sich uneinig. Hätte der Ringrichter den Kampf durch technisches KO hätte abbrechen müssen? Klar ist: dieser Entschluss war keine gute Werbung für den Boxsport. Dennoch entfachte dies keinerlei Diskussionen, ganz im Gegenteil dazu die Kämpfe des Ultimate Fighting Championships.

Im Boxsport gibt es genau wie im UFC genaue Vorschriften, nach denen der Referee zu entscheiden hat. Zwar sind beim UFC auch Schläge auf eine sich am Boden befindliche Person erlaubt, doch hier gibt es im Regelbuch sehr strikte Einschränkungen.

Klaus Schlie, Innenminister Schleswig-Holsteins und Vorsitzender der Sportministerkonferenz, ist überzeugt, dass Käfigkämpfe in Deutschland gesellschaftlich zu ächten wären. "Bei Ultimate Fighting wird eine Grenze überschritten, die immer ein Tabu war: Auch auf den, der am Boden liegt, wird noch eingeprügelt - und zwar vor einer johlenden Masse. So etwas gehört nicht in eine humanistische Gesellschaft."

Oliver Copp, Chefredakteur des Magazins „Fighters Only“ und praktizierender Ultimate Fighter sieht dies anders. "Das ist ein Sport, wie jeder andere auch. Mit Regeln und mit Sportlern, die Vorbilder sind. Aber auch mit Verletzungen, genau wie beim Fußball oder Tennis."

Die KJM bezieht bei diesem Konflikt eine eindeutige Haltung. Der Vorsitzende Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring stellt in seinem Impulsreferat in München klar: "Es ist durchaus zu befürchten, dass entsprechende mediale Angebote bei einer bestimmten Zielgruppe eine verrohende Wirkung haben."

Für das Podiumsgespräch der KJM wurde die fehlende Kooperationsbereitschaft des UFCs angeprangert. Der Verband hat kein Videomaterial zur Veranschaulichung zugelassen. Dagegen beklagte der UFC, dass die Kommission nicht offen legen wollte, welche Videoszenen der Kämpfe in welchem Zusammenhang gezeigt werden sollten. Vertreter des UFC sowie Zuschauerfragen waren unerwünscht. Es bestand von Seiten des KJMs kein Interesse, dieses Thema bei einem offenen Gespräch zu diskutieren.

Marshall Zelaznik, Präsident des UFC Großbritannien, nahm dies mit folgendem Kommentar zur Kenntnis: "Es ist nicht fair, dass die KJM nur über uns, aber nicht mit uns spricht. Offenbar liegt es nicht im Interesse der KJM, sich mit den Fakten zum UFC auseinanderzusetzen."

Aktuell ist die Ausstrahlung der UFC im deutschen Fernsehen nicht erlaubt. Doch verhindert dies wohl nicht, dass Fans sich über Livestreams und Internetvideos diese Kämpfe ansehen. Ob dieses Verbot aufrecht erhalten bleibt, wird sich in naher Zukunft zeigen.


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7 Responses to UFC – Extremsport oder Tabubruch

  1. MMA-Sportler, promovierter Wirtschaftswissenschaftler 12. November 2010 at 22:58
    Ich kann mich Euren Kommentaren nur anschließen und will noch ein paar weitere Aspekte hinzufügen.

    1.MMA wird in der Diskussion in Deutschland stets in die Ecke der Hirnlosig- und Stumpfsinnigkeit gestellt. Das ist weder mit dem Anspruch der Kampfkust noch mit ihren Akteuren belegbar. Die Fakten sind folgende:
    a) durch seine Multidimensionalität (Vereinigung aller existierenden waffenlosen Kampfkünste: Stand-, Boden-, Kick-, Schlag-, Ringer- und Aufgabetechniken) ist MMA die mit weitem Abstand anspruchsvollste alle Kampfsportarten.
    b) Je komplexer die Kampfsportart, desto höher ist das Bildungsniveau der Sportler. Jiu Jitsu (was dem MMA doch sehr nahe ist) weist bspw. in DE den höchsten Akademikeranteil aller Kampfsportarten aus (Zahlen von Anfang 2000)

    2. Dass die Box-Verbände, die nach den internationalen Fußballverbänden und den OKs wohl die Mafia-ähnlichsten Strukturen aller Sportarten aufweisen, die öffentliche Diskussion in DE steuert, ist mehr als offensichtlich. Sowohl der Boulevard wie auch seriöse Medien berichten geradezu lüstern von blutigsten Boxkämpfen (Abraham, Sturm, Klitschko) und über ihre „knallharten Krieger“. Wenn man sich dagegen die Berichterstattung zum MMA ansieht, kann diese sture Einseitigkeit nur gesteuert sein (oder in DE ist der letzte akzeptable Journalist gestorben)

    3. Die völlige Unwissenheit der meisten Diskutanten (Journalisten, Sportfunktionäre, Rundfunkbeamte) ist einer der Punkte die am meisten weh tut und von wirklich mangelhaften Fähigkeiten zeugt. Allein die UFC oder „Ultimate Fighting“ immer wieder als Sportart zu bezeichnen macht die Substanzlosigkeit der Diskussion deutlich.

    Für alle Nicht-Kenner und Interessierten: UFC = Promotion-Firma/Kampsport-Organisation/Verband/Liga; Ultimate Fighting = ein Werbe-Name aus den 90ern; der Sport über den wir hier reden ist Mixed Martial Arts, DE: gemischte Kampfkünste
  2. mmaspoho 11. November 2010 at 14:13
    viele autoren oder redakteure befassen sich nicht richtig mit dem thema mma. die reißerische perspektive scheint auch viel zu wichtig. und so wird viel falsch verstanden oder falsch interpretiert. ich sehe es ähnlich wie keyser am 09.11. geschrieben hat. im boxen war dann der eine der super einstecken kann und der andere der held. unglaublich
    ich sitze grade an meiner diplomarbeit zu diesem thema und hoffe ihr könnt mir vllt mit deutschen ansprechpartnern bestmöglichst von der ufc weiterhelfen.
  3. Kayser 9. November 2010 at 20:56
    Der zitierte Herr Schlie wagt es interessanterweise von einer "humanistischen" Gesellschaft zu sprechen, in die MMA (oder wie er meint, die UFC) nicht hineingehöre. Nun, MMA kommt in seiner ursprünglichen Form von den "Erfindern" des Humanismus und hieß in der griechischen Antike Pankraton. Ferner wäre ein humanistisches Prinzip These-Antithese-Synthese, aber genau das wird gezielt vermieden: Man ignoriert die Fakten und lässt Gegenargumente erst gar nicht zu. Undemokratisch, intolerant und ignorant, anders kann man das derzeitige deutsche Verhalten gegenüber einer der derzeit populärsten Sportarten weltweit nicht bezeichnen, oder doch - geheuchelt, denn im Fußball (Sie wissen schon, die Ballsportart bei der sich deutsche Politiker so gern profilieren) passieren weit mehr Unfälle und sogar Todesfälle! Herr Schlie und Kollegen, Sie haben doch vom Humanismus sowenig Ahnung wie vom MMA selbst, also lernen Sie erstmal sich zu informieren und äußern Sie Ihre anderweitig verzichtbare Meinung doch zur Abwechslung nach gründlicher Überlegung! Und wenn sich die Herren Politiker mal wieder mit den Olympioniken brüsten wollen, dann denken Sie daran, daß Pankraton (also sozusagen MMA) eine olympische Sportart war.
  4. Carsten, MMA-Sportler 29. Oktober 2010 at 09:17
    Verkehrte Welt: Jemand, der im Fernsehen jemand anderen krankenhausreif schlägt, gilt als Held und demjenige, der die Schläge eingesteckt hat, werden gute Nehmerqualitäten attestiert. Jemand, der mit einem doppelten Kieferbruch weiterkämpft, dem wird ein Kämpferherz attestiert.
    Aber unser Sport gilt als brutal und barbarisch: "Oh nein, der hat eine Platzwunde und blutet den anderen voll". Oh nein, die beiden kämpfen in einem KÄFIG. (Der allein der Sicherheit dient). "Das sieht ja aus wie Tiere, die eingesperrt sind".
    Fakt ist aber, dass wir mehr Regeln haben, als im Boxen.
    Fakt ist auch, dass es bei uns zu weniger Kopftreffern kommt, da wir einfach mehrere Möglichkeiten haben (zu viele Kopftreffer können auf Dauer nicht gut für den Kopf sein).
    Fakt ist auch, dass in jedem Volkshochschulselbstverteidigungskurs gelehrt wird, dass man sich auch verteidigen muss, wenn man auf dem Rücken liegt.
    Die ALTE Schulhofregel, nicht weiter auf den am Boden liegenden einzuschlagen gilt leider schon lange nicht mehr, wie man in der Presse lesen konnte und die Übergriffe auf unschuldige Bürger leider gezeigt haben.
    Fakt ist auch, dass ich lieber in einem Käfig kämpfe als in einem Ring. Ich möchte nicht derjenige sein, der nach einem Wurf aus dem Ring fällt und aus mindestens 1,20 mtr. Höhe auf den Hallenboden oder Betonboden fällt. Nochmals, der Käfig dient allein der SICHERHEIT und der GESUNDHEIT der SPORTLER.

    Dem Otto-Normal Bürger wird ein Bild von unserem Sport gezeigt, weil man eine Meinung schaffen will. Häufig werden im Zusammenhang mit Käfigkämpfe blutüberströmte Männer gezeigt. Man könnte genauso gut die schlimmsten Unfälle in der Formel 1 zeigen, die blutigsten Fouls beim Fußball oder die gefährlichsten Unfälle beim Angeln. Nichts anderes ist es auch, ein Zusammenschnitt aus zig tausenden Kämpfen.
    Ja, Platzwunden kommen vor, blutige Nasen kommen vor. Aber in der Regel sind es hochinteressante, technisch anspruchsvolle Kämpfe, von austrainierten, erfahrenen Sportlern.

    Ich würde mir wünschen, dass Redakteure mal besser recherchieren würden, dass Politker sich mal ein neutrales Bild verschaffen würden (und nicht Best-of-KO DVD schauen) und das die KJM das Gespräch mit den UFC-Verantwortlichen sucht, um mal ein OBJEKTIVES Bild zu schaffen.

    Wir akzeptieren und respektieren doch auch andere Sportarten.

    Wie mein Vorredner/schreiber schon erläutert hat, der Sport wird seinen Weg machen, auch nach Deutschland.
  5. MMA und BJJ Sportler 28. Oktober 2010 at 22:26
    Das sich Politiker auf dem Rücken von leicht zu stigmatisierenden "Randgruppen" profilieren ist nichts neues. Ich frage mich wieso es verohend wirken soll wenn zwei Sportler sich in einem fairen Kampf mit festen Regeln und Ringrichtlicher und Ringärztlicher Aufsicht im Kapmf begegnen deren Techniken fast alle auch bei olympischen Sportarten ausgeführt werden, jedoch niemand in Berlin sich daran stört wenn bereits im Fernsehprogramm ab 20:15 uhr spannungsgeladen um die Wette geraubt, vergewaltigt und gemordet wird. Wobei die Antwort allerdings auf der Hand liegt: Während Männer die sich stehend Halbtot prügeln mittlerweile wie selbstverständlich in der Mitte der Gesellschaft einen Heldenplatz eingenommen haben, können sich die meisten immer noch nicht vorstellen das jemand der am Boden liegt nicht zwangsweise wehrlos ist. Jeder Physikschüler in der siebten Klasse dürfte bestätigen können das ein Boxerpunch im stehen dessen Technik durch rotation und Körpergewicht seine Kraft aus Muskeln im ganzen Körper holt niemals so verheerend sein kann wie der eines sitzenden geschweige denn liegenden. Und jeder Kampfkünstler/Kampfsportler der sich mal mit Bodenkampf (sogenanntes Grappling) befasst hat wird bestätigen können das die chancen für jemanden der die Guard -Position( Person liegt unterhalb des zwischen seinen Beinen fixierten Gegners) inne hat größer sind durch Aufgabegriffe zu gewinnen als jeder glauben mag.

    Ich denke es ist noch eine lange entwicklung bis MMA auch in Europa so zum Breitensport wird wie in den USA aber es eine Entwicklung die bereits Begonnen hat oder sicherlich nicht mehr aufzuhalten ist. Bis dahin kann ich den Kritikern nur raten mal zur nächsten Kampfkunstschule mit MMA-Kurs zu fahren und sich davon zu Überzeugen was für hirnlose Schläger sich dort barbarisch Techniken aneignen um sich gegenseitige zu Brei zu dreschen. Aber seien drauf gefasst eventuell ihren Nachbarn, den Studienfreund ihres Sohnes oder den Nachhilfelehrer ihr Tochter zu treffen wie er in einer freundlich und respektvollen Atmosphäre etwas tut womit sie nie gerechnet hätten: Sport betreiben.
  6. Noch ein MMA Fan 28. Oktober 2010 at 15:15
    Anscheinend hat sich der Autor nicht richtig mit der Materie befasst. Die UFC ist eine Kampfsportliga und KEINE eigene Kampfsportart. In der UFC wird MMA gekämpft, was Mixed Martial Arts bedeutet. Im MMA darf man sich jeder Kampfsportart bedienen(sofern man sich an die festgeschrieben Regeln hält), einschliesslich denen die sich auf dem Boden abspielen. Das erklärt warum auch Kämpfer auf dem Boden geschlagen werden dürfen. Diese befinden sich nämlich nicht auf dem Boden weil sie KO sind, sondern einfach deshalb weil sie den Kampf auf den Boden verlagert haben um sich so mögliche Vorteile zu schaffen.

    Ein anderer Kritkpunkt, der Käfig, hat ganz praktische Gründe: Würde man einen Ring benutzen (so wie in Japan zB. üblich), besteht die Gefahr das die Kämpfer zwischen den Seilen durchrutschen und auf den Boden fallen. Das kann zu schweren Verletzungen führen. Deshalb hat man sich in der UFC dazu entschieden die Kämpfe im Käfig durchzuführen.
  7. MMA Fan 28. Oktober 2010 at 13:58
    Die Boxlobby versucht weiterhin einen Sport, der nach meiner Ansicht nach deutlich fairer abläuft und welcher von jedermann praktiziert werden kann schlecht zu reden. Anscheinend hat man keine vernünftigen Argumente, da man ja nicht einmal mit den Verantwortlichen spricht. Während beim MMA ein Kampf folgerichtig abgebrochen wird durch den Refree, lässt sicht Briggs beispielsweise 12 Runden lang halb tod schlagen und es interessiert niemanden. Doppelmoral an allen Ecken.

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Lukas Rapp

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