Namibia. Rund um den Globus gefährden neue Uran-Erschließungs- und -Bergbau-Projekte Menschen und Landschaften, einschließlich besonders gefährdeter Wüsten, Savannen und Regenwälder. Vor allem in Nord- und Südamerika, Afrika und Australien sind oder werden verschiedene indigene Völker bereits Opfer dieser neuen Jagd auf Uran. Regierungen und Unternehmen spekulieren auf hohe Uran-Preise. Die hohen tödlichen Risiken für die lokale Bevölkerung, Gesundheit und Umwelt werden heruntergespielt oder der Öffentlichkeit vorenthalten.
Dieser Artikel handelt vom Kampf der Topnaar-Nama in Namibia, auch besser bekannt als Hottentotten. Sie wurden von Deutschen, Briten und Südafrikanern kolonisiert. Die Topnaar sind die ursprünglichen Besitzer der Namib-Wüste, ihrer Küste, Flusstäler und Berge. Über 800 leben entlang des Kuiseb-Tals im Naukluft-Park in der Nähe der Walvisbay und Swakopmund. In der Region sind bereits zwei Uran-Minen in Betrieb: Roessing in der Nähe von Swakopmund und "Langer Heinrich" im Naukluft-Park. Und erst vor kurzem genehmigte die namibische Regierung verschiedenen internationalen Unternehmen einige weitere Lizenzen zur Erschließung von Uran im Naukluft-Park.
Abbau von Uran bedeutet radioaktive Kontamination und Trinkwassermangel
Ein Bericht der NGO Earthlife Namibia zeigt: In Namibia ist Wasser in der Regel eine knappe natürliche Ressource, die intensiv im Bergbau verwendet wird. "Rössing Uranium verwendete 3,3 Mio. m³ Frischwasser im Jahr 2007. Der Wasserbedarf von Langer Heinrich Uranium liegt geschätzt bei 0,87 m³ Wasser pro Tonne verarbeiteten Erzes, was rund 1,3 Millionen m³ pro Jahr bedeutet. Für Trekkopje, die nächste Uran-Mine, die in Betrieb gehen wird, wird erwartet, dass ein jährlicher Bedarf von 20 Millionen m³ besteht. Die Nachfrage nach Wasser ist viel zu hoch für die trockene Namib. So ist eine Entsalzungsanlage bei Wlozkasbaken als Joint Venture zwischen UraMin und Namwater derzeit im Bau. Earthlife: "Obwohl sich die Bewohner auf die Aussicht freuen, Zugang zu Wasser zu haben, ist damit zu rechnen, dass für das Wasser Tarife für Anlieger erhoben werden, wenn die Anlage einmal entsalztes Wasser liefern wird." Mit oder ohne das entsalzte Wasser: die riesige Menge an Wasser, die für die Minen in einer trockenen Umgebung verwendet wird, wird sicherlich das Ökosystem und den Verlauf der Flüsse ändern, den Mutterboden wegspülen und nichtheimische Tierarten anlocken. Im Bericht von Earthlife heißt es weiter: "Das ablaufende Wasser wird kein sauberes Wasser sein, es wird mit giftigen Chemikalien aus dem Uranabbau verseucht werden. Es kann auch das Grundwasser verunreinigen."
Die indigenen Völker, die am meisten durch die bestehenden und geplanten Bergbauprojekte betroffen sind, sind die Topnaar-Nama. Wir trafen die Topnaar-Nama-Vertreter Ende Oktober 2008.
"Wir akzeptieren die Uranminen nicht!"
Captain (oder König) Khaxab Samuel sagte: "Wir akzeptieren die Uranminen nicht. Eines Tages möchte ich meinen Kindern, meinen kleinen Kindern den Baum, die Blume und den Springbock (Oryx) zeigen. Aber wenn die Mine kommt, können die Tiere nicht mehr da sein. Dieses Ding (die Mine) ist so stark und gefährlich. Die Menschen, die in der Mine arbeiten, werden krank. Die Roessing-Mine ist noch weit weg von uns, aber jetzt kommt sie immer näher. Und es ist für uns gefährlich. Wir können nicht die Erlaubnis für diese Sache geben."
"Die Regierung hat das Gewohnheitsrecht vergessen, das alte Gesetz von Namibia. Da heißt es, wenn jemand aus dem königlichen Haus kommt, dann darf er Führer, Häuptling sein. Das Gesetz sagt, die Berge gehören zu uns, die Vögel gehören zu uns, die Oryx, der Strauß, alle Tiere, alles, was in diesem Bereich ist, gehört zu mir und meinem Volk. Das ist, was das Gewohnheitsrecht sagt. Auch die Mineralien sind unser, und die Erde gehört uns." Aber die Regierung respektiert bis heute das traditionelle Recht nicht und akzeptiert Samuel Khaxab nicht als rechtmäßigen Führer der Topnaar.
"Wir sind nur 800 und wir können aussterben."
Der Kanzler von Samuel Khaxab, Ephraim Peterson, der auch aus dem königlichen Haus stammt, sagte: "Wir wollen die Minen stoppen. Das Uran ist sehr gefährlich. Unsere Tiere sind dort. Wenn die Minen kommen, werden die Tiere nicht mehr da bleiben. Wir können die Tiere dann vergessen. Und unsere Kinder können niemals den Springbock oder Strauß sehen und erleben. Und wir sind nur wenige Menschen. Wir sind nur 800 und wir sterben aus. Aber die Regierung kümmert sich nicht darum. All die Küste gehört zu uns. Und der Naukluft-Park ist unser Park. Der ganze Park gehört zu uns. Aber sie wollen dort die Minen bauen."
"Die Bergwerke bekommen Wasser aus unserem Fluss Kuiseb, aus unseren Dörfern. In jedem Dorf gibt es eine Pumpe. Sie pumpen das Wasser nach Walvisbay und von Walvisbay nach Swakopmund und von Swakopmund nach Roessing. Die Minen nehmen immer Wasser von uns. Aber wir haben nie Geld dafür erhalten. Unsere Leute müssen auch für das Wasser bezahlen, an Namwater (das Wasserunternehmen). Unsere Leute in der Kuiseb sind sehr arm. Nach der Unabhängigkeit haben wir nichts bekommen. Das traditionelle Gesetz besagt, wenn man aus dem königlichen Haus kommt, kann man Führer oder ein König werden. Wenn wir das Geld hätten, könnten wir einen Anwalt bezahlen, einen Anwalt, der für unsere Rechte kämpft. Als die Deutschen da waren, war es unser Land. Als die Engländer da waren, gaben sie dieses Recht an Südafrika, so dass sie Namibia beherrschen konnten. Dann wurde Namibia frei, aber sie gaben nie das Landrecht wieder an uns zurück, um uns selbst zu regieren. Die Leute, die jetzt regieren, tun was sie wollen. Ihnen sind wir gleichgültig. Und das ist sehr schmerzhaft für uns!"
In der Vergangenheit lebten die Topnaar auch von Seefrüchten, Muscheln und Fischen aus Walvisbay. Heute ist dort ein wichtiger Fischereihafen für den Export. Schiffe, vor allem aus der EU, landen hier an, aber die Nama haben nichts davon. Fisch und Muscheln sind nicht mehr Bestandteil der Nahrung für die Topnaar in der Kuiseb. In der Vergangenheit jagten sie auch die Tiere der Namib, was jetzt wegen der Gesetze zum Erhalt der Natur verboten ist. Heute - wie wir es während unserer Reise entlang des Kuiseb gesehen haben - haben die Topnaar vor allem Ziegen und Esel und einige kleine, aber reiche Gemüsegärten. Im oberen Teil, wo der Grundwasserspiegel noch etwas höher ist, haben sie auch einige Kühe. Das traditionell sehr wichtige Grundnahrungsmittel und zugleich gesunde Nahrungsmittel der Topnaar-Nama ist die Namib-Wüsten-Melone, genannt !Narra. Diese wächst natürlich im Kuiseb-Tal. Aber weil die Firma Namibia Water das Wasser aus der Kuiseb in die Städte und Minen pumpt, gibt es die !Narra immer seltener.
Ephraim sagte: "In der Erntezeit sammeln wir die !Narra-Früchte. Wir essen sie, die Ziegen und Esel essen sie auch. Aber der Ertrag ist in Gefahr, wegen der Uran-Minen. Wenn die Minen kommen, können sie unsere Pflanzen kontaminieren, die !Narra. Wir haben auch Fisch, aber wir haben nie davon profitiert. Auch aus dem Naukluft-Park nicht. Die Touristen kommen zu Tausenden. Aber wir haben nie etwas davon gehabt. Unsere Vorfahren gingen hier auf der Jagd, bevor es zu einem Park wurde. Sie aßen Springbock, Oryx und den Strauß. Aber wir können heute nicht mehr jagen. Es ist uns nicht gestattet."
Einen Tag nach unserem Treffen brachen wir zusammen mit Captain Samuel nach Windhoek auf. Mit lokalen öffentlichen Verkehrsmitteln fuhren wir nach Swakopmund und von dort nach Walvisbay. Von dort mussten wir ein Taxi nehmen und fuhren auf einer staubigen Straße zum Kuiseb, wo wir in der Nacht ankamen. Dort verpasste der Fahrer den richtigen Weg und wir steckten in einer Sanddüne fest. Wir mussten das Auto während der Nacht ausgraben, aber am Ende erreichten wir sicher die Heimat von Captain Samuel. Von dort aus nutzten wir die Eselskarren, um die anderen Topnaar-Dörfer zu besuchen. Captain Samuel wollte, dass wir zu seinem Volk über die gesundheitlichen und ökologischen Gefahren und Risiken des Uran-Bergbaus sprechen. Was wir auf der Reise sahen, waren die Pumpstationen von Namwater, die ständig das Kuiseb-Wasser nach Walvisbay und Swakop pumpen. Wo es Pumpen gab, sahen wir viele Bäume im noch schönen Tal (es war in der Tat wie eine Savanne) sterben. Und selten sahen wir die !Narra-Pflanzen.
Fast alle Topnaar leben in Häusern aus altem Eisen- und Stahlschrott sowie Blech. Einige der Topnaar haben in der Vergangenheit für ein, zwei oder drei Jahre in der Roessing-Mine gearbeitet, um etwas Geld zu verdienen. Sie haben uns gesagt, dass sie wussten, dass Minenarbeiter krank werden und sterben. Ein Nama sagte, dass sein Freund, ein Bergmann, vor ein paar Wochen gestorben ist, weil er die "Alte-Männer-Krankheit" hatte, wie der Minen-Arzt sagte. Wir fragten, wie alt er war. Er sagte 60. Wir antworteten, mit 60 ist man nicht alt und in der Regel haben wir keine "Alte-Männer-Krankheit". Und jeder musste lächeln, weil es in den armen Topnaar-Dörfern viele Leute gibt, die noch nie in der Mine gearbeitet haben und die ohne die "Alte-Männer-Krankheit" älter als 80 Jahre werden und noch in Haus und Garten arbeiten sowie mit den Tieren ...
"In der alten Zeit gab es immer Wasser"
Unser besonderer Führer und Freund in den Dörfern der Topnaar war Fanuel Haoseb Abraham, der Geheimrat von Nama-König Samuel. Fanuel sagte: "Wasser ist Leben. Früher wussten die Menschen, wo Wasser zu finden war, wo das Wasser-Niveau liegt, wo es leicht ist, Wasser zu holen. Es gab immer Wasser. Nun ist das Problem, dass unser Wasser Namwater gehört und Namwater Wasser in andere Gebiete liefert. Auch wir müssen Namwater für das Wasser bezahlen. Für jede Gemeinde ist es schwierig zu zahlen, weil wir nicht genug Tiere haben, nicht genug Einkommen. Namwater baute Pumpen und das Wasser gehörte fortan Namwater, welches zuerst uns gehörte. Und dieses Wasser wird nicht nur nach Walvisbay gepumpt, sondern wird bis nach Swakop und Arandis, der Roessing-Minen-Stadt, gebracht."
"Darum sterben hier die meisten Bäume"
"Die !Narra-Frucht kann nicht mehr groß werden, wie es in den alten Zeiten war, weil Namwater das Wasser weggenommen hat. Die Wurzel der !Narra wird bis zu 15, 16 Meter lang und tief, aber die Pumpen von Namwater gehen sehr weit nach unten, tief, tief, tief, bis zu 300, 500 Meter hinunter. Und alles ist elektrisch, 24 Stunden am Tag wird gepumpt. So pumpt die Pflanze das Wasser auf natürliche Weise und die Namwater-Pumpen pumpen mit Strom. Die Pumpen sind stärker als die Pflanzen. Darum sterben hier die meisten Bäume."
"In der Vergangenheit kamen die Elefanten, Giraffen, Nashörner während der Regenzeit hinunter an den Fluss. Sie weideten bis zu 5 km von Walvisbay entfernt. Aber heute kommen diese Tiere nicht mehr herunter. Unser Wasser versorgt jetzt viele Dinge wie Fabriken oder Minen in unserer Region. Minen können eine Menge Wasser verbrauchen und neue Minen können mehr Wasser verbrauchen, und das wird Auswirkungen auf uns haben, weil Namwater immer mehr Wasser aus dem Fluss pumpen wird, so dass sie mehr Wasser an andere Menschen, an andere Dinge geben können. Dies wird auch Auswirkungen auf unsere Gemeinschaft haben. Der Fluss, die Bäume und der ganze Lebensstil von uns werden von diesem System betroffen sein."
Im vergangenen Jahr appellierte Earthlife Namibia an die Regierung, den Bergbau bei "Langer Heinrich" zu stoppen, weil der Uran-Bergbau nicht nur Gefahren für die Gesundheit bedeutet, sondern auch ökologische Fragen wie den Verlust der biologischen Vielfalt und die mögliche Grund- und Oberflächenwasser-Verschmutzung betrifft - eines der gravierendsten Probleme, die nicht im Entwurf der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) behandelt wurden. Das Öko-Institut in Deutschland überprüfte die UVP auf Anfrage von Earthlife und erklärte, dass die Strahlendosis um den Faktor vier unterschätzt wurde und dass das vorgeschlagene Management-Konzept gravierende Mängel enthält. Sie stellten fest, dass angesichts dieser Umstände eine Lizenz nicht hätte erteilt werden dürfen.
Das Ziel der Topnaar-Nama ist es, alle Gemeinden über die Auswirkungen der Uran-Exploration und des Abbaus zu informieren. Die Schwierigkeit ist der Mangel an Verkehrs-, Finanz- und Informationsmaterial. Sie wollen nicht, dass der Abbau des Urans in ihrem Gebiet sowie im Naukluft-Park geschieht. Sie glauben, dass sie sich nur gegen die Entscheidungen der Regierung standhaft wehren können, wenn sie gut informiert sind. Die Topnaar der Kuiseb benötigen dringend internationale Solidarität und finanzielle Unterstützung. Sie brauchen Unterstützung, um einen Fürsprecher bzw. Anwalt zu finanzieren, der vor Gericht gegen die namibische Regierung vorgeht, weil King (Chief) Samuel von der Regierung nicht als traditioneller Führer anerkannt wird. Als amtlich anerkannter Führer ist es leichter, gegen die Uran-Minen-Projekte zu kämpfen. Und sie brauchen grundlegende finanzielle Unterstützung für die Kommunikation. Sie müssen mindestens ein Postfach haben, was auch Geld kostet, das sie aber nicht haben.
weitere Informationen zum Thema:
Dokumenmtation (eng.) Uranium thirst: Uranabbau in Namibia
(Quicktime neueste Version zum Abspielen wird benötigt!)
Original-Text in Englisch von Norbert Suchanek, Rio de Janeiro/RJ, n.suchanek@online.de
(CC-Lizenz von: f P c N interCultural, www.fPcN-global.org)
Verweise: Ausbeutung, Bergwerk, Dritte Welt, Namibia, Rohstoffabbau, Rohstoffe, Uran, Wasser











Windhoek – Die deutsche und namibische Seite haben am Mittwochabend beide die starke bilaterale Kooperation beider Länder betont, als der besuchende Minister Dirk Niebel vom Bundesressort für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie sein Gefolge beim deutschen Botschafter in Windhoek, Egon Kochanke, zu Gast waren. Kochanke hatte Premierminister Nahas Angula und etliche Vertreter der namibischen Zivilgesellschaft, der Geschäftswelt sowie Parlamentarier, darunter auch Oppositionelle, geladen.
Unter Hinweis auf die derzeit größte deutsche Investition in Namibia, das Zementwerk Ohorongo bei Otavi, zu dessen Richtfest Minister Niebel in Namibia weilt, wurde auch der breitere Rahmen der deutsch-namibischen Zusammenarbeit angesprochen, inklusive entwicklungskritische Stimmen der jüngsten Zeit.
Premier Angula antwortete auf die Ausführungen Niebels von der namibischen Seite. Auf Ministerebene wurde Angula von der Umwelt- und Touristikministerin Netumbo Nandi-Ndaitwah begleitet. Angula bestätigte die Bedeutung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und der Direktinvestition und forderte dabei beiläufig auf, „einzelne“ ablehnende Stimmen zur Investition aus dem Ausland zu ignorieren, ohne konkreten Bezug darauf zu nehmen. Diese Kritik kam letzthin aus dem Dachverband der Gewerkschaften (NUNW), von dessen Generalsekretär Evilastus Kaaronda der Premier bei anderer Gelegenheit schon scharfe verbale Angriffe einstecken musste.
Von Eberhard Hofmann Allgemeine Zeitung, Namibia