Nigeria verhängt Ausnahmezustand | Magdeburger Nachrichten

Nigeria verhängt Ausnahmezustand

Von  | 1. Januar 2012 | Kategorie: Politik International

Abuja. Nigerias Präsident Goodluck Jonathan versprach die Terror­isten der islamistischen Gruppierung "Boko Haram" zu zerschmettern. Er macht sie für die Vielzahl von Anschläge der letzten Wochen und Monate verantwortlich. Zum erfolgreichen Kampf gegen die Terroristen sei es notwendig den Ausnahmezustand in einigen Regionen Nigerias auszurufen, so Jonathan zum Jahreswechsel.

Politische Karte Nigerias Stand 2005 (Zeichnung: Domenico-de-ga; Lizenz: CC-BS-SA 3.0)


Die betroffenen Regionen sind Borno, Yobe State und Niger State. Nigeria ist von der Fläche dreimal so groß wie Deutschland und gilt mit 154 Millionen Menschen und 500 Sprachen als das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Die angrenzenden Staaten sind Benin, Niger, Tschad und Kamerun. Die Außengrenzen der Region würden geschlossen verkündete Jonathan am Samstag Abend.

"Wahrend der Fortsetzung bei der Suche nach Lösungen ist es notwendig einige Maßnahmen zu ergreifen, um die Normalität im Lande wieder herzustellen, insbesondere in den betroffenen Communities", so Jonathan in seiner landesweit verbreiteten Ansprache an die Bevölkerung. Sobald dies erfolgt ist, könnten die Restriktionen wieder aufgehoben werden.

Zur Weihnachtszeit wurden mehrere blutige Anschläge im Land verübt, die der Gruppe Boko Haram zugeschrieben werden. Übersetzt bedeutet der Name der Gruppe "Verbotene ausländische Erziehung". Die Bewegung kämpft im Stil der Taliban in Afghanistan. Bombenanschlags­opfer waren sowohl christliche Einrichtungen wie auch die Erdölindustrie und Regierungsgebäude, sowie deren Mitarbeiter.

Zu Nutze machen sich die Rebellen die faktische Teilung Nigerias in den christlich geprägten Süden und den moslimischen Norden des Staates. In der Vergangenheit gab es viele Auseinandersetzungen, die mit Differenzen zwischen den Religionszugehörigkeiten erklärt wurden.

Sprachenkarte Nigeria, Benin und Kamerun Stand 2007 (Zeichnung: Ulamm; Lizenz: CC-BY-SA 3.0)


Teile der Bevölkerung begrüßen jetzt das Vorgehen der Regierung. Zuvor war der Eindruck weit verbreitet, die Regierung verliere mehr und mehr Kontrolle über einige Gebiete im Land.

Machtverhältnisse und Wahlen im Land



Nach dem Tod des Staatspräsidenten Umaru Musa Yar´Ardua im Mai 2010 kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen bei denen über 200 Menschen starben. Nach Anschlägen bei Wahlkampfveranstaltungen wurden die Parlamentswahlen auf den 26. April 2011 verschoben.

Die People´s Democratic Party (PDP) von Goodluck Jonathan erreichte mit 53 von 85 Sitzen im Senat (SE) und mit 152 von 279 Sitzen im Repräsentantenhaus (RH) sein Zeil der stärksten Kraft im Land. Sein Gegner Muhammadu Buhari von der Congress for Progressive Change (CPC) erzielte lediglich 6 (SE) beziehungsweise 31 Sitze (RH) als Ver­treter des muslimischen Nordens. Überraschungskandidat des Action Congress of Nigeria (ACN) Nuhu Ribadu kam auf 18 Sitze (SE) und 53 Sitze (RH).

Die zeitgleich stattfindenden Präsidentschaftswahlen im April gaben ein anderes Bild ab. Mit 58.9 % gewann Jonathan vor Buhari mit immerhin 32 %. Buhari sprach von Wahlfälschung und kündigte Widerstand an und klagte bisher folgenlos. Die Folge waren weitere Aufstände bei denen über 800 Menschen starben. Internationale Wahlbeobachter hat­ten keine Unregelmäßigkeiten feststellen können. Moscheen und Kirchen gingen erneut in Flammen auf. 75.000 Menschen flohen nach Angaben des Roten Kreuzes aus den Unruheregionen.

Die oft als islamistisch-fanatische bezeichnete Sekte Boko Haram steht anscheinend nicht in direktem Kontakt zur muslimischen CPC. Auch Buhari verurteilte mehrfach die Anschläge, bei denen es nun auch erstmalig Selbstmord­attentate gab. Der Gruppe gelingt es jedoch immer wieder Auseinander­setzungen zum Beispiel um sich widersprechende Landrechte auszunutzen und die religiösen Gemeinschaften gegeneinander aufzuhet­zen.

Zusätzlich kämpft die Regierung gegen das Movement for the Emancipation of the Niger Delta (MEND) und die Niger Delta Liberation Force (NDLF). Beide paramilitärisch organisierten Vereinigungen kämpfen mit Anschlägen und Gewalt gegen die Erdölindustrie. Sie werfen der Regierung vor, sich von ausländischen Konzernen ausbeuten zu lassen und die Gewinne der Exporte nicht an die Bevölkerung weiterzugeben.

In dieser Gemengelage kam es Ende des Jahres 2011 zu einem Anschlag auf die UN-Niederlassung bei der 42 Personen getötet und über 57 verwundet wurden. Wer der Aufständischen hierfür letztendlich verantwortlich war ist unklar. Es gingen mehrere Bekennererklärungen ein.

Boko Harem bekräftigte unterdessen erneut, es erkenne die Regierung und die Gesetze des Staates Nigeria nicht an, nur die Sharia sei das gültige Regelwerk und die Zukunft des Staates.

weitere Informationen:
MN-Bericht über Präsidentschaftswahlen im April 2011




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One Response to Nigeria verhängt Ausnahmezustand

  1. Jan Braune 1. Januar 2012 at 18:25
    Mehr als 50 Tote bei Nachbarschaftskonflikt in Nigeria
    Abuja (dpa) - Bei einem wieder aufgeflammten Nachbarschaftskonflikt sind im südostnigerianischen Bundesstaat Ebonyi mehr als 50 Menschen getötet worden. Bewaffnete seien am frühen Morgen in den Ort Ezillo gekommen und hätten das Feuer eröffnet, berichtet die nigerianische Zeitung «The Guardian» online. Unter den mindestens 52 Toten seien auch Kinder. Bei der Attacke habe es auch Verletzte gegeben. Auch Häuser und Geschäfte seien in Brand gesteckt worden. Hintergrund des Überfalls sei ein Streit der Bewohner von Ezza und Ezillo um Land, schrieb die Zeitung.

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