Internet abgeschaltet - es wird ernst in Libyen

Internet abgeschaltet – es wird ernst in Libyen

Von  | 19. Februar 2011 | Kategorie: Politik International

Tripolis. Nachdem Mitte der Woche alle ausländische Journalisten aufgefordert wurden das Land unverzüglich zu verlassen, ist es schwierig verlässliche Informationen aus der islamisch-sozialistischen Volksrepublik zu erhalten. In der Nacht zu Samstag war jedoch durch den plötzlich wegfallenden Datentransfer aus dem Land klar, die Regierung des de-facto-Staatsoberhauptes Oberst Muammar al-Gaddafi hat Angst.



Unbestätigte Berichte aus den großen Städten sprechen von mehr als 100 Toten und einem Volksaufstand vergleichbar mit dem in Ägypten vor wenigen Wochen.

Bengasi

Im Mittelpunkt des Aufstandes des Volkes steht anscheinend die Stadt Bengasi mit ihren mehr als 650.000 Einwohnern. Hier sollen staatliche Rundfunkanstalten brennen.

Die Pro-Gaddhafi-Seite berichtet von einer Erstürmung eines Krankenhauses durch den Mob. Der engagiert aus Nordafrika berichtende Sender Al Jazeera wurde für die terrestrische Übertragung im Land angeschaltet. Auch der Mobilfunk im Land ist stark eingeschränkt.

Exzentrisches Staatsoberhaupt

Gaddafi regiert das Land seit 1969 als Revolutionsführer. Die Exzentrik führte bislang im Ausland zu Gelächter, was aber auch öfter verstummte. Die Weigerung in Hotels zu übernachten und lieber sein eigenes Zelt aufzubauen war oft grotesk bei internationalen Treffen. Ernster wurde es als Gaddafi der Schweiz 2008 den Krieg erklärte und eine Aufteilung des Landes forderte, nachdem sein Sohn "Hannibal" Gaddafi wegen angeblicher Misshandlung von Angestellten festgenommen wurde.

Seine Sympathieerklärungen zu Irans Staats- und Regierungschef Mahmud Ahmadinedschad führten zu Unverständnis in den USA, Europa, aber auch in befreundeten Ländern in Afrika. In Deutschland ist die Familie auch unangenehm aufgefallen. Gegner verweisen auf die vielfältige Verstrickung in undurchsichtige Waffengeschäfte. Die deutsche Justiz ermittelte, stellte die Ermittlungen jedoch auch für die Ermittler überraschend schnell wieder ein.

Die Wirtschaftsbeziehungen in das Ausland sind vielfältig und exzellent. Gaddafi ist einer der größten Miteigentümer der Fiat-Werke in Italien und verfügt über sehr gute Einkünfte aus dem Erdölexport. 13 % der Exporte fließen nach Deutschland.

Im Inland jedoch regiert die starke Hand Gaddafis. Bei geschätzten 30 % Arbeitslosigkeit und Reichtum und Macht einer staatsführenden Minderheit konnten Unruhen bislang nur durch den allgegenwärtigen Sicherheitsapperat unterdrückt werden.

Neuer Mut

Nach den Regierungsumstürzen in Ägypten und Tunesien scheinen die Menschen jedoch neuen Mut zu fassen sich gegen die Willkürherrschaft Gaddafis aufzulehnen.

An Vorbildern mangelt es derzeit nicht in der nordafrikanischen und arabischen Welt. Von der West-Sahara über Marokko, Algerien, Yemen bis zum kleinen Golfstaat Bahrein reichen die Protestbewegungen des Volkes.

Auch wenn die oftmals sehr jungen Bürger nicht alle unsere "westlichen" Werte teilen möchten, so fordern sie jetzt doch einige Grundlagen der Demokratie ein.

Freiheit des Einzelnen, Demonstrations- und Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, soziale Gerechtigkeit und Gleichbehandlung und das Ende von Diktaturen könnten ganze Regionen sicher nicht sofort befrieden, aber zu einem mehrjährigen nachhaltigen Wandel führen. - Den Menschen sei es gegönnt!






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One Response to Internet abgeschaltet – es wird ernst in Libyen

  1. Jan Braune 20. Februar 2011 at 08:56

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