SPD: Überfall in Wernigerode zeigt: Rechtsextreme Gewalt kann Jeden treffen
Übergriff im Harz
Magdeburg. Am letzten Donnerstag wurde der Wernigeröder SPD-Stadtrat und stellvertretende Juso- Landesvorsitzende Kevin Müller Opfer eines brutalen Überfalls mutmaßlich rechter Schläger in Wernigerode. Die SPD- Landesvorsitzende Katrin Budde verurteilte den Angriff scharf. „Der Überfall zeigt, dass Rechtsextreme vor keinem Mittel zurückschrecken. Jeder kann Opfer ihrer Gewalt werden.“
Besonders erschreckend ist erneut die Brutalität der Angreifer.
„Die Anhänger rechtsradikalen Gedankengutes – in diesem Fall der Blankenburger Nationalen Front – machen in ihrer von Stumpfsinn, Intoleranz und Frustration geprägten Weltsicht nicht vor Gewalt gegen Demokraten und Andersdenkende halt und schlagen und treten sogar auf am Boden Liegende ein“, erklärt der Juso-Landesvorsitzende Andrej Stephan. „Wir sind froh und dankbar, dass unserem aktiven Mitstreiter Kevin Müller bei der nächtlichen Attacke nichts Schlimmeres passiert ist.“ Müller, der sich seit Jahren aktiv gegen rechte Umtriebe engagiert, musste im Krankenhaus behandelt werden, ist wieder wohlauf und hat bereits erklärt, „ich werde mich auch weiterhin nicht vor Nazis zu verstecken. Denen gehört das Handwerk gelegt.“
Kevin studiert momentan Mathematik und Physik auf Lehramt (Gymnasium) und sitzt seit 2004 für die SPD im Stadtrat von Wernigerode. Er ist zugleich Vorsitzender des Vereins Kulturmotor Wernigerode e.V.
Kevin Müller berichtete gegenüber den MN selbst den Hergang:
Er sei nach einer Stadtratssitzung, in der seit kurzem leider ja auch die NPD mit Michael Schäfer vertreten sei, zunächst in ein Lokal gegangen. Gegen 23:30 Uhr sei er dann mit drei Freunden aufgebrochen und wurde von zwei angetrunkenen 20 bis 25-jährigen Personen zuerst mit "Ihr Zecken" angpöbelt und anschließend direkt angegriffen. Hierbei hätten die Angreifer es insbesondere auf ihn abgesehen gehabt. Nach ersten Schlägen ins Gesicht wurde auch am Boden liegend weiter auf ihn eingetreten. Erst als die Freunde die Polizei informierten, ließen sie von ihrem Opfer ab und flüchteten in eine Seitenstraße und anschließend vermutlich mit einem grauen Renault. Kevin Müller musste zunächst im Krankenhaus behandelt werden, erlitt jedoch durch die dicken Wintersachen nur leichte Verletzungen.
Herr Müller erwähnte das vermehrte Auftreten von Rechtsradikalen in Wernigerode und Halberstadt. So sei erst vor Kurzem ein eigenes Bürgerbüro der NPD in Halberstadt eröffnet worden. Der Organisationsgrad steige an.
Katrin Budde zollte dem 25jährigen großen Respekt.
„Es gehört sehr viel Mut dazu, sich trotz dieses Überfalls nicht unterkriegen zu lassen. Das ist gelebtes bürgerschaftliches Engagement. Die Rechten müssen spüren, dass sie, ihre Ansichten und ihre Gewalt in der Gesellschaft nicht willkommen sind. Nur so lässt sich der braue Sumpf austrocknen.“ Budde erneuerte in diesem Zusammenhang die Forderung nach einem NPD-Verbot. „Das ist kein Allheilmittel, aber eine Partei, die Gewalt als legitimes, politisches Mittel propagiert, darf nicht noch mit Steuergeldern unterstützt werden!“
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Wernigerode: Rathausspitze empört über vermutlich rechtsradikalen Übergriff auf Stadtrat
01.02.2010
WERNIGERODE. Wernigerodes Stadtratspräsident Uwe-Friedrich Albrecht und Oberbürgermeister Peter Gaffert zeigen sich empört über einen vermutlich rechtsradikal motivierten Angriff auf SPD-Stadtrat Kevin Müller am vorigen Freitag. Die Ermittlungen beim Polizeirevier Harz werden vom Staatsschutz-Referat geführt. Nach bisherigem Ermittlungsstand begegneten Müller gegen 23.25 Uhr vier Tatverdächtige. Der Stadtrat erhielt von einem mehrere Faustschläge ins Gesicht. Müller erlitt leichte Verletzungen.
SPD-Stadtrat von Rechtsradikalen überfallen? Wernigerodes Rathausspitze empört
01.02.2010
Von Heinz-Georg Breuer
WERNIGERODE. Stadtratspräsident Uwe-Friedrich Albrecht und Wernigerodes Oberbürgermeister Peter Gaffert zeigen sich empört über einen vermutlich rechtsradikal motivierten Angriff auf SPD-Stadtrat Kevin Müller am vorigen Freitag. Die Ermittlungen beim Polizeirevier Harz werden vom Staatsschutz-Referat geführt.
„Wir sind entsetzt und verurteilen deutlich die Überschreitung aller tolerierbaren Grenzen“, so Gaffert und Albrecht einvernehmlich. Es gelte jetzt, Müller weiter zu unterstützen und den Rücken zu stärken: „Sein konsequentes Auftreten gegen Rechtsradikalismus ist für den Stadtrat wichtig und macht uns stolz.“
Submitted on 02.02.2010 at 15:33
Hallo,
Netzfund.
Hier die Reaktion der NPD:
http://npd-fraktion-harz.de/
Gruß,
Karl
Hallo,
habe mit Interesse Ihren Artikel zum Uberfall auf den Wernigeröder Stadtratsabgeordneten Kevin Müller gelesen. Danach könnte man meinen, dass es gar keinen Zweifel daran geben kann, dass eine obskure Blankenburger Nazihorde Herrn Müller mal eben zufällig abends um halb zwölf aus einer Kneipe kommend über den Weg gelaufen ist und brutal zusammen getreten hat und ihn nur seine “dicke Winterbekleidung” vor schwererem Unheil bewahrt hat. Ich hoffe, dass auch im gleichen Umfang berichtet wird, wenn sich herausstellt, dass es eine “banale” Kneipenschlägerei ohne jedweden politisch motivierten Hintergrund war.
LG aus WR.
Bemerkung der Redaktion: Ja, bei den Umständen der Tat scheint nahezuliegen, dass es sich um eine rechtsorientierte vorgeplante Gewaltstraftat handelt, bewiesen ist dies jedoch (noch) nicht. Der Staatsschutz vertritt mit der Aufnahme seiner Ermittlungen wohl einen ähnlichen Standpunkt.
http://www.magdeburger-nachrichten.de/archives/3202/stadtrat-matthias-gaertner-npd-in-der-universitaet-angegriffen/
13. Todestag des Punks Frank Böttcher
Bündnis gegen Rechts Magdeburg ruft für den 8. Februar um 16.00 Uhr zur Gedenkveranstaltung auf
Das Bündnis gegen Rechts Magdeburg ruft die Magdeburgerinnen und Magdeburger für den kommenden Montag, den 8. Februar 2010, zu einer Gedenkveranstaltung für den getöteten Punk Frank Böttcher auf. „Die grausame Tötung von Frank Böttcher darf nicht in Vergessenheit geraten. Auch nach 13 Jahren hat die rechtsextreme Szene in ihrer Gewalttätigkeit nicht nachgelassen“, so Thomas Weber vom Bündnis. So erinnerte er an Thorsten Lamprecht und Rick L., die 1992 und 2008 in Magdeburg Opfer rechter Gewalt wurden. Beginn der Kundgebung mit Kranzniederlegung ist um 16.00 Uhr an der Straßenbahnhaltestelle „Klinikum Olvenstedt“ im Bruno-Taut-Ring.
Zum ersten Todestag Böttchers ließen antifaschistische Gruppen einen Gedenkstein am Tatort aufstellen. Das Bündnis gegen Rechts sammelte in den Folgejahren Spenden zur Installation einer Gedenkplatte, nachdem diese wiederholt beschädigt und entwendet worden war. „Nach Frank Böttchers Tod treten vermutlich Rechtsextreme sein Andenken mit Füßen. Die im Gedenken an den jungen Punk 1998 installierte Bronzeplatte wurde nur neun Monate nach ihrer Wiederanbringung in der Nacht zum 16. Januar 2009 erneut gestohlen.“ Man suche nun nach einer dauerhaften Form der Erinnerung, so Weber.
Frank Böttcher wurde in der Nacht zum 08. Februar 1997 von neonazistischen Skinheads an einer Haltestelle im Magdeburger Stadtteil Neu-Olvenstedt zunächst getreten und anschließend mit einem Messer mehrmals in den Rücken gestochen. Er erlag wenige Stunden später im nahegelegenen Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Einer der Täter gab später bei der Polizei an, er habe sich vom Äußeren des jungen Punks provoziert gefühlt.
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Thomas Weber
Miteinander – Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt e.V.